"Schlimm genug für die junge Frau, die vermutlich ihr Leben lang unter den psychischen Folgen dieser abstoßenden Tat wird leiden müssen. "
Sollte hier nicht "wird" am Ende sein? zB: Schlimm genug für die junge Frau, die vermutlich ihr Leben lang unter den psychischen Folgen dieser abstoßenden Tat leiden müssen wird.
News-Quelle: https://www.focus.de/regional/muenchen/junge-muenchnerin-in-eigener-wohnung-ueberfallen-internet-kommentare-zu-vergewaltigungsfall-zeigen-gesellschaftliches-problem_id_9229941.html
Der Satz ist richtig.
Die besondere Wortstellung soll hier eine stärkere Betonung bewirken.
Anderes Beispiel
Können Sie ein anderes Beispiel geben bitte, wie man den Platz von Verb so ändern kann?
Wir haben als strikter Regel gelernt, dass das Verb oder Hilfsverb immer am Ende sein muss.
Antwort auf Anderes Beispiel von Gast (nicht überprüft)
Regeln?
Gast schrieb:
> ... Wir haben als strikter Regel gelernt, dass das Verb oder Hilfsverb immer am Ende sein muss.
Das gilt keinesfalls für jeden Satz. Ein ganz normaler, einfacher Hauptsatz hat die Struktur "Subjekt Verb Objekt".
Vielleicht ist die Regel nur für Relativsätze gemeint. Da kann sie sinnvoll sein. Aber der Satz aus dem Focus verstößt gar nicht gegen diese Regel. In beiden Varianten stehen am Ende drei Verben (werden, leiden, müssen). Ganz am Ende steht entweder das Hilfsverb (werden, konjugiert) oder das Modalverb (müssen, Infinitiv), aber niemals das Vollverb (leiden, Infinitiv).
Zusätzlich kann man hier auch auf die Regeln zur Bildung des Futur 1 schauen. Dazu machen wir erst einmal aus dem Nebensatz einen Hauptsatz im Präsenz:
Jetzt machen wir Futur 1 daraus, indem wir das Hilfsverb "werden" in konjugierter Form einsetzen. Das bisherige Prädikat (welches hier aus zwei Verben besteht) wird dabei zum Infinitiv und rutscht ans Ende:
Wenn ich daraus auf konservative Weise einen Relativsatz bilde, steht das konjugierte Hilfsverb tatsächlich hinter den Infinitiven:
Hier stehen ein Modalverb und ein Hilfsverb direkt hintereinander. Das klingt etwas holprig. Bei der veränderten Form steht das Vollverb zwiischen den Beiden. Das Ergebnis klingt prägnanter:
Ich weiß aber nicht, ob es dafür eine direkte Regel gibt.
> ... Können Sie ein anderes Beispiel geben bitte, wie man den Platz von Verb so ändern kann?
Manche solchen Konstruktionen klingen für mich richtig, andere falsch. Wie schon gesagt kenne ich keine eindeutige Regel dafür. Es hat vielleicht wirklich damit zu tun, dass weder zwei Hilfs- oder Modalverben noch zwei Vollverben direkt hintereinander stehen sollen.
Antwort auf Regeln? von Gast (nicht überprüft)
Korrektur.
Gast schrieb:
> ... dass weder zwei Hilfs- oder Modalverben noch zwei Vollverben direkt hintereinander stehen sollen. ...
Dass zwei Hilfs- oder Modalverben nicht hintereinander stehen sollen, klingt plausibel.
Dass zwei Vollverben nicht hintereinander stehen sollen, ist wahrscheinlich Quatsch.
Seltsame Wortstellung im Nebensatz
Die richtige Regel geht so:
Das ist eine Ausnahme von der allgemeinen Regel, dass im Nebensatz das finite Verb immer ganz am Schluss stehen muss. Außerdem ist es allerfeinstes Bürokratendeutsch und einigermaßen unverständlich. Deshalb ein paar Beispiele.
In einem einfachen Nebensatz mit nur einem Verb steht dieses Verb ganz am Ende:
Das Verb erscheint gebeugt (konjugiert, finit), um die Person und die Zeitform auszudrücken. In einem Hauptsatz würde es weiter vorn stehen: Der Arzt behandelt den Kranken. Das ist also ein Unterschied zwischen Hauptsatz und Nebensatz.
Nun kann es passieren, dass der Nebensatz mehrere Verben enthält. Normalerweise ist dann nur eines gebeugt, und die anderen stehen im Infinitiv. Nach der allgemeinen Regel gehört jetzt das gebeugte Verb ganz ans Ende:
Eine Regel kann natürlich nur dann so richtig stolz auf sich sein, wenn sie auch ein paar schöne Ausnahmen hat. Das sind hier vor allem bestimmte Konstruktionen mit den Hilfsverben 'haben' und 'werden'. Dann darf oder muss das gebeugte Verb vor die anderen Verben rutschen.
Bei Nebensätzen mit einer gebeugten Form von 'werden' und mindestens zwei zusätzlichen Infinitiven ist beides erlaubt:
Die jeweils zweite Variante klingt etwas flüssiger und "moderner". Das hängt vielleicht mit der gegenwärtigen Mode zusammen, in allen möglichen Nebensätzen die Wortstellung regelwidrig umzudrehen (Ich stürme zum Kühlschrank, weil mich plagt ein fürchterlicher Hunger).
Übrigens wäre ich gerne in den Süden geflogen, weil ich da im Meer schwimmen gekonnt haben würde. Oder weil ich da würde schwimmen gekonnt haben. Oder so ähnlich. ;-)
Antwort auf Seltsame Wortstellung im Nebensatz von Gast (nicht überprüft)
Mit diesen Regeln ...
Mit diesen Regeln lassen sich auch die anderen Beispiele in Ordnung bringen.
Regel: "Wenn eine Verbgruppe zwei (oder mehr) Infinitive enthält, die vom Hilfsverb 'werden' abhängig sind, kann das finite Hilfsverb im Nebensatz vor die Infinitive treten oder gemäß der allgemeinen Regel ganz am Schluss stehen."
(Bemerkung: 'werden' steht in diesem Satz nicht als Infinitiv, sondern als 3. Person Plural).
Regel: "Wenn eine Verbgruppe einen Ersatzinfinitiv eines Modalverbs enthält und dieser Ersatzinfinitiv vom Hilfsverb 'haben' abhängig ist, wird das finite Hilfsverb vor die Verbgruppe gestellt, obwohl es nach der allgemeinen Regel in einem Nebensatz am Schluss stehen müsste."
Hier gilt keine dieser speziellen Regeln, denn das finite Verb ist weder 'werden' noch 'haben', sondern 'können'. (Bemerkung: 'können' steht in diesem Satz nicht als Infinitiv, sondern als 3. Person Plural). Nach der allgemeinen Regel gehört das finite Verb im Nebensatz stets ganz ans Ende.
Regel: "Wenn eine Verbgruppe einen Ersatzinfinitiv von 'heißen', 'lassen', 'helfen', 'sehen', 'fühlen', 'hören' enthält und dieser Ersatzinfinitiv vom Hilfsverb 'haben' abhängig ist, wird das finite Hilfsverb im Nebensatz in der Regel vor die Verbgruppe gestellt. Zumindest bei 'lassen', 'sehen', 'fühlen', 'hören' gilt aber die Endstellung des finiten Hilfsverbs auch als korrekt."
Furchtbare Regeln ...
Antwort auf Mit diesen Regeln ... von Gast (nicht überprüft)
Neue Links
Die Regeln sind jetzt hier:
Jeweils unten auf der Seite (ab "Mehrere Verbformen am Satzende" bzw. "Verb clusters in final position").
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