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Wie nennt man Deutsche seit Generationen: Bio-Deutsche, Echte Deutsche, Originale Deutsche, Wahre Deutsche, Reinrassiger Deutscher?

Gespeichert von Gast (nicht überprüft) am

Es gibt Situationen wo Sprache, Kultur, Traditionen eine sehr große Rolle spielen. Manchmal muss man Hintergrund von einer Person betonen und zeigen, dass die Person und ihre Eltern/Vorfahren seit Generationen Deutsche sind, dass sie und die Verwandschaft mit deutschen Traditionen am besten vertraut sind, dass sie sich mit der deutschen Küche sehr gut auskennen usw. Hier geht es natürlich nicht um irgendwelche irrelevante Rassentheorien oä.

Man möchte nur Hintergrund von einer Person deutlich darstellen, wobei der Hintergrund eine wichtige Rolle in dem Kontext spielt. 

Wie sollte man den Hintergrund der Person politisch-korrekt bezeichnen?

  1. Bio-Deutsche
  2. Echte Deutsche
  3. Originale Deutsche
  4. Wahre Deutsche
  5. Reinrassige Deutsche
  6. Richtige Deutsche
  7. ...???

 

Gast (nicht überprüft)

Praktisch alle kompakten Formulierungen dieser Art haben eine rassistische Konnotation, die aus der Geschichte und/oder aus gegenwärtigen Entwicklungen kommt. Deshalb kann man sich eigentlich nur noch mit Umschreibungen behelfen.

Beispiele:

  • Tochter einer aus Deutschland stammenden Familie
  • waschechter Berliner
  • alteingesessene Familie
  • ein Niedersachse wie er im Buche steht
  • "richtiger" Deutscher (Anführungsstriche sind wichtig)

 

Do., 26. Dezember 2019 - 01:21 Link
Gast (nicht überprüft)

Antwort auf von Gast (nicht überprüft)

  • Tochter einer aus Deutschland stammenden Familie
    "aus Deutschland stammende Familie" bedeutet nicht, dass die Familienangehörige sich mit der deutschen Sprache und Traditionen gut auskennen. Es gibt Beispiele in Millionenfach."
     
  • waschechter Berliner
    Diese Bezeichnung lese ich zum ersten Mal.
     
  • alteingesessene Familie
    Alteingesessen ist nur die Familie oder auch Vorfahren? Ableitung fällt mir schwer.
     
  • ein Niedersachse wie er im Buche steht
    Diese Bezeichnung finde ich näher an ursprünglichen Anforderung aber man kann nicht immer verwenden. Sie ist zu literarisch für manch einfache Situationen. 
     
  • "richtiger" Deutscher (Anführungsstriche sind wichtig)
    Vermutlich werde ich diese Bezeichnung verwenden, da sie besser als anderen passt.

Fakt ist, keine der oben aufgelisteten Bezeichnungen beinhaltet deutlich genug, einen reichen kulturellen Hintergrund. Es gibt Millionen von Menschen in Deutschland , die teilweise seit 3. Generation in Deutschland geboren sind, aber immer noch nicht die Sprache beherrschen  und eine durchschnittliche deutsche Familienleben nicht repräsentieren können. Sie interessieren sich nicht für die europäische/deutsche Traditionen, Sitten, Bräuche, Rituale, Küche, Literatur, Märchen usw nicht und kennen sich damit nicht genug aus.

Hier geht nicht um die individuelle Interessen. Alles was man in einer "richtigen" deutschen Familie "automatisch" bekommen würde, bekommen diese Menschen nicht und können selbstverständlich auch nicht weitergeben.

Eine einfache neutrale Formulierung sollte diesen Unterschied  für Leser deutlich machen, ohne dass man in einer Ecke gedrängt wird.

Was ist falsch mit Bio-Deutsche?

 

 

Do., 26. Dezember 2019 - 14:06 Link
Gast (nicht überprüft)

Antwort auf von Gast (nicht überprüft)

Erstens wird dieser Begriff zur Zeit sehr intensiv von Rechtsnationalen und Rechtsradikalen in den sozialen Medien benutzt. Sie "tarnen" damit einige andere, offen rassistische Begriffe, wie "arisch-germanisch" oder "deutsche Menschenrasse". Zwar haben sie den Begriff nicht erfunden, sondern wahrscheinlich nur okkupiert. Aber man kann jetzt auch nicht so tun, als ob nichts wäre.

Zweitens ist der Begriff mehrdeutig, man kann ihn unterschiedlich auslegen. Im ursprünglichen kabarettistischen Kontext (falls die Geschichte stimmt) war das vielleicht Absicht.

  • biografisch deutsch
    Das käme wahrscheinlich der Absicht am nächsten, sich auf die deutsche Kultur und deren Vermittlung im familiären Umfeld zu beziehen.
  • biologisch deutsch
    Hier ginge es dagegen um körperliche und genetische Merkmale, womit man sich ziemlich schnell in rassistischen Denkweisen verheddern kann.
  • "Bio" als Eigenname (Assoziation zu Bio-Lebensmitteln)
    Das würde sozusagen die Reinheit und das Unverfälschte symbolisieren. Aber wenn man die "biologische" Lebensmittelproduktion als Basis für das Sprachbild betrachtet, dann sollte man sich auch überlegen, dass in diesem Kontext das "Andere" als unsauber, minderwertig und schädlich konnotiert ist.

 

Do., 26. Dezember 2019 - 19:31 Link
Gast (nicht überprüft)

Antwort auf von Gast (nicht überprüft)

Nach einzelnen Quellen wurde oder wird das Wort in Migrantenkreisen auch abwertend benutzt, vielleicht mit Assoziation zu "Biotonne". Im Duden steht tatsächlich "meist ironisch abwertend". Wie auch immer, als neutrale Bezeichnung taugt es offenbar nicht.

 

Fr., 27. Dezember 2019 - 13:30 Link
Gast (nicht überprüft)

Antwort auf von Gast (nicht überprüft)

Das Wort "biodeutsch" wurde jetzt durch eine Jury aus Sprachwissenschaftlern und Journalisten zum "Unwort des Jahres 2024" gewählt. In der Begründung heißt es, das Wort werde "verstärkt verwendet, um Menschen vor dem Hintergrund vermeintlich biologischer Abstammungskriterien einzuteilen, zu bewerten und zu diskriminieren". Es geht als um Menschen, die denken als "Biodeutsche" seien sie etwas Besseres. Die spöttische Verwendung des Wortes (zum Beispiel gegen solche Menschen) wird dagegen nicht kritisiert.

Mo., 13. Januar 2025 - 20:16 Link
Gast (nicht überprüft)

"... keine der oben aufgelisteten Bezeichnungen beinhaltet deutlich genug einen reichen kulturellen Hintergrund ..."

Ja klar, das sind alles nur schwache Notbehelfe. Die "einfachen, neutralen Formulierungen" sind in Wahrheit nicht mehr neutral. Das kommt nicht von den Formulierungen, sondern von den zunehmenden rassistischen Meinungsäußerungen, bei denen solche Begriffe sehr gerne benutzt werden. Mit diesen Begriffen riskiere ich, in eine ungewollte Ecke gedrängt zu werden.

Eine Strategie, die ich öfters sehe, ist das Ausweichen auf regionale Bezeichnungen (wie beim Berliner und beim Niedersachsen). Es gibt aber Situationen, in denen man damit nicht zum Ziel kommt.

Eine andere Strategie sind detaillierte Erklärungen, man verzichtet also auf die Einfachheit. Da man die umständliche Erklärung aber nicht dauernd wiederholen möchte, entstehen dabei holprige Aneinanderkettungen von Relativkonstruktionen.

Schließlich kann man noch ins "Amtsdeutsch" ausweichen und von "Deutschen ohne Migrationshintergrund" schreiben. Das statistische Bundesamt hat nämlich eine klare und einigermaßen neutrale Definition: "Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde."

 

Do., 26. Dezember 2019 - 19:58 Link
Gast (nicht überprüft)

Drei spontane Vorschläge hätte ich auch aber sie passen auch nicht perfekt. 

  • Langzeit Deutsche
  • Langfristig Deutsche
  • Historisch Deutsche

Ich persönlich finde "Deutsche ohne Migrationshintergrund" am besten aber sie ist zu lang.

 

 

Fr., 27. Dezember 2019 - 00:53 Link
Gast (nicht überprüft)

Antwort auf von Gast (nicht überprüft)

"Langzeit" und "langfristig" passt gut für jemanden, der vor langer Zeit eingebürgert wurde. Es passt nicht gut für jemanden, der als Deutscher geboren wude.

"Historisch" macht keine klare Aussage zur Gegenwart.

 

Di., 31. Dezember 2019 - 17:47 Link

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